Roland Scheck

Rosengartentram gefordert – Kallateralschaden erwünscht

Roland Scheck
Anlässlich der Behandlung der Volksinitiative «Rosengarten-Tram» gibt die rot-grüne Mehrheit des Gemeinderats der Stadt Zürich, im Wissen um die nachteiligen Konsequenzen, der Forderung nach einem Rosengartentram in Form eines Gegenvorschlags statt. Der Gegenvorschlag des Gemeinderats schliesst gar eine einvernehmliche Zusammenarbeit mit dem Kanton bewusst aus.

Die aus der rot-grünen Küche stammende Volksinitiative «Rosengarten-Tram» fordert, zu Handen des Kantons ein Tramprojekt für die Strecke Milchbuck - Bucheggplatz – Escher-Wyss-Platz – Albisriederplatz auszuarbeiten. Dabei soll sich der Stadtrat beim Kanton für die Realisierung des Projekts bis längstens zehn Jahre nach Abschluss der Projektierungsarbeiten einsetzen.

Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen es eigentlich sinnvoll ist, eine ÖV-Linie zu bauen. Es ist dann und wirklich nur dann sinnvoll, wenn einerseits eine Verkehrsnachfrage besteht und andererseits diese Verkehrsnachfrage noch nicht durch ein entsprechendes ÖV-Angebot abgedeckt ist. Beim geforderten Rosengartentram handelt es sich um die Strecke Milchbuck - Bucheggplatz – Escher-Wyss-Platz – Albisriederplatz. Und auf dieser Strecke ist Fakt, dass mit der Buslinie 72 schon ein ÖV-Angebot vorhanden ist, welches die Verkehrsnachfrage bereits heute bestens abdeckt.

Die Schiene als Symbol für den zurückeroberten Strassenraum
Es geht also bei dieser Initiative unmöglich um ein verkehrsplanerisches Anliegen, mit dem ein neues ÖV-Angebot geschaffen werden soll. Sondern dieses Anliegen ist rein ideologisch motiviert. Rot-grüne Kreise wollen ganz offenbar auf der Rosengartenstrasse ihren Claim abstecken. Mit einem Tramtrassee lässt sich dem ungeliebten Motorisierten Individualverkehr Verkehrsfläche entziehen. Die Schiene als Symbol für den zurückeroberten Strassenraum.

Zur Befriedigung dieser Ideologie ist man nun bereit, einen gewaltigen Kollateralschaden anzurichten: Erste Schätzungen der Stadt Zürich für die Projektierung und Realisierung des Rosengartentrams belaufen sich auf rund 400 Millionen Franken. Die Initianten und die rot-grüne Mehrheit des Gemeinderates sind also bereit, 400 Millionen Franken Steuergelder einfach so zu vernichten. Und zur Befriedigung dieser Ideologie nimmt man einen volkswirtschaftlichen Schaden in Kauf, indem der wichtigste Verkehrsträger des Ziel-/Quellverkehrs dieser Stadt in seiner Kapazität halbiert wird. Denn der Platzbedarf des Tramtrasses bedingt, dass zwei von vier Fahrspuren zurückgebaut werden müssen. Und zur Befriedigung dieser Ideologie werden durch die Kapazitätsreduktion der Rosengartenstrasse rund 20'000 Fahrzeuge/Tag grossflächig in die Wohnquartiere verlagert. Das beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Stadtbewohner und ist zu guter letzt auch ökologisch ein Unsinn.

Dieser ganze Kollateralschaden wird seitens rot-grün in Kauf genommen, ohne dass sich das eigentliche ÖV-Angebot auch nur einen Deut verbessert. Im Endeffekt gibt es anstatt eines Busses einfach ein Tram, welches auch im Unterhalt teurer ist als ein Bus.

Volkswirtschaftlich verantwortungslos
Dass man für solche Ideen immer auch Leute findet, die das anlässlich einer Initiative unterschreiben, ist klar. Das ist auch deren demokratisches Recht. Dass aber die rot-grüne Mehrheit des Gemeinderats im exakten Wissen um die Konsequenzen der Forderung nach einem Rosengartentram in Form eines Gegenvorschlags stattgibt, welcher gar eine einvernehmliche Zusammenarbeit mit dem Kanton bewusst ausschliesst, ist höchst bedenklich und volkswirtschaftlich verantwortungslos.