Roland Scheck

GPK-Bericht zur Fachschule Viventa

Roland Scheck

Aus dem Zürcher Gemeinderat

Der Gemeinderat hat sich in vergangen Ratssitzung mit dem Schlussbericht der Geschäftsprüfungskommission zur Fachschule Viventa befasst. Die Untersuchung wurde notwendig, nachdem immer mehr interne Querelen nach aussen gelangten.

Die Viventa ist eine Bildungsinstitution der Stadt Zürich für Jugendliche und Erwachsene. Nebst Erwachsenen- und Elternbildung bietet die Viventa hauswirtschaftliche Berufsausbildung, Berufsvorbereitung und Integrationsangebote für Migrantinnen und Migranten. Ob nun Kurse wie «Das eigene Zuhause wohlig und schön einrichten», «Finden Sie Ihren persönlichen Stil», «Atem ist Lebensfluss», etc. als sinnvoll zu betrachten sind und ob solche Kursangebote tatsächlich Aufgabe der öffentliche Hand zu sein haben, darüber lässt sich streiten.

Klassische Führungsprobleme
Gestritten wird auch in der Viventa selbst. Die Lehrpersonen sind verunsichert und wütend. In der Kritik steht Direktorin Yvonne Kern. Die Lehrpersonen werfen der Direktorin chaotische Planung, Desinformation und Geringschätzung vor. Die Palette an Problemen betrifft Zusammenarbeit, Kommunikation, Stellenbesetzung, das Lohnsystem, ungenügendes Projektmanagement im Zusammenhang mit der Organisationsentwicklung (Fusion mehrerer Schulen) und mangelhafte Information der Schulkommission. Die klassischen Führungsprobleme halt.
Das sind happige Vorwürfe, was die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Gemeinderats dazu veranlasste, eine Untersuchung durchzuführen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen eindeutig auf, dass das Verhältnis zwischen Konventvorstand und Direktorin einerseits und einem Teil der Lehrerschaft und der Direktorin andererseits zerrüttet ist. Insbesondere beklagt wird die mangelnde Zusammenarbeit zwischen der Direktorin und dem Konventvorstand, die Einflussnahme der Direktorin auf Entscheidungsfindungen des Konventvorstands und dass der Konventvorstand in keinem wichtigen Gremium mehr Einsitz hat. Auf die Unzufriedenheit eines Teils der Lehrpersonen mit dem Lohnsystem reagierte die Leitung schon zu einem früheren Zeitpunkt durch Einberufung eines Runden Tisches, um das Lohnsystem zu analysieren und eine Empfehlung zuhanden der Schulkommission abzugeben. Desweitern stellte die GPK fest, dass bei der Zusammenführung der verschiedenen Schulen vorhandenes Wissen und Erfahrung der Lehrpersonen nicht in Anspruch genommen wurden. Die Fachschule Viventa zog in grossem Stil externe Beratungsfirmen bei und dies zum Teil in Bereichen, wo das Know-how der Lehrpersonen hätte zur Hilfe genommen werden können. Ferner kritisierten die interviewten Personen auch die zahlreichen Stellenwechsel bei den Bereichs- und Formatsleitungen, die langen Vakanzen ohne Ausschreibung sowie die Intransparenz bei der Stellenbesetzung.

Vorwürfe wurden bestätigt
Da kommt also einiges zusammen. Die Untersuchung hat gezeigt, dass die erhobenen Vorwürfe grossmehrheitlich Hand und Fuss haben und aufgrund dessen dringend Handlungsbedarf besteht. Obwohl die Fachschule der Oberaufsicht des Gemeinderats untersteht, hat dieser jedoch keine operativen Kompetenzen und so musste die sich GPK auf den Erlass von Empfehlungen zu Handen der verantwortlichen Stellen beschränken. Der Gemeinderat nahm denn auch vom Bericht sowie den formulierten Empfehlungen der GPK zustimmend Kenntnis und beauftragte die Schulkommission der Fachschule Viventa, innert einem Jahr dem Gemeinderat über die weitere Entwicklung Bericht zu erstatten und bis dahin die notwendigen organisatorischen und rechtlichen Anpassungen in der Fachschule Viventa vorzunehmen.
Ob die Fachschule Viventa die doch eher tiefgreifenden Probleme bis in einem Jahr gelöst hat? Gut möglich, denn die Direktorin hat inzwischen ihren Rücktritt angekündigt. Man darf gespannt sein. In zwölf Monaten wissen wir mehr.
Weshalb bis dahin nicht mal einen Viventa-Kurs besuchen? Zum Beispiel «Erziehen ohne laut zu werden», «Spielerisch Kräfte tanken», «Kampfesspiele für Väter und Söhne», «Bohnen, Erbsen, Linsen neu entdecken», «Essbare Wildbeeren sammeln und nutzen», «Aufräumen, entrümpeln und loslassen»?
Den Schreibenden werden Sie dort allerdings nicht antreffen.

Artikel erschienen am 28.03.2013 im «Der Zürcher Bote»