Roland Scheck

MySwitzerland

Roland Scheck
In der Täschligate-Affäre interessierte sich die US-Talkmasterin und selbstdeklarierte Tierschützerin Oprah Winfrey für eine 35 000 Franken teure Krokodilledertasche in einer Zürcher Edelboutique. Der Deal kam aber wegen eines Missverständnisses nicht zustande, wobei die Geschichte der betroffenen Verkäuferin und diejenige von Frau Winfrey ziemlich divergieren. Die Version der Talkmasterin gipfelte wenig später in einer Verlautbarung im US-Fernsehen, wo sie öffentlich den Vorwurf erhob, dass man ihr die Tasche aus rassistischen Gründen nicht verkaufen wollte. Dieselbe Inszenierung hatte sie früher übrigens auch schon in anderen Ländern abgezogen. Dabei geht es wohl weniger um Rassismus als eher um den verletzten Stolz einer Diva, die es nicht verkraftet, wenn sie auf der Strasse nicht erkannt und angehimmelt wird. Später wurde gar publik, dass der Rassismus-Vorwurf auch ein gezielter PR-Gag im Zusammenhang mit Frau Winfrey’s neustem Film gewesen sein könnte.

Eine noch traurigere Rolle in der Täschligate-Affäre spielte jedoch die Organisation Schweiz Tourismus. Schweiz Tourismus tritt merkwürdigerweise nicht unter dem eigenen Namen, sondern unter dem Pseudonym MySwitzerland auf. Kurz nachdem die US-Diva ihren Rassismus-Vorwurf erhoben hatte, verschickte die Tourismus-Organisation folgende Nachricht via Twitter: «Wir schäumen vor Wut, diese Person hat sich dermassen falsch verhalten.» Damit posaunte MySwitzerland in die Welt hinaus, dass sich in der Schweiz tatsächlich ein Rassisums-Vorfall zugetragen hätte und bezichtigte die Verkäuferin vorverurteilend rassistischer Motive. Und das ohne jegliche Abklärung getätigt zu haben. In der Weltpresse wurde diese Mitteilung sofort aufgenommen, und die entsprechenden Schlagzeilen klangen so, als hätte sich die Schweizerische Eidgenossenschaft für den Rassismus-Vorfall entschuldigt.

Und das wirft Fragen auf. Wie kann es sein, dass Schweiz Tourismus unter einem irreführenden Decknamen kommuniziert? Insbesondere für Ausländer bedeutet MySwitzerland nämlich nichts anderes, als dass es sich hierbei um einen offiziellen Kanal beziehungsweise elektronischen Schalter der Schweizerischen Behörden handelt. MySwitzerland deutet auf E-Government hin. Auch fragt man sich, ob Tourismus Schweiz womöglich wie Zürich Tourismus ein Auffangbecken für ehemalige linke Funktionäre oder Politiker sein könnte. Der unverzügliche Kniefall bei Vorwürfen aus dem Ausland und die Hemmungslosigkeit, das eigene Land als rassistisch zu verunglimpfen, lassen dies fast vermuten. So oder so darf es nicht sein, dass eine Tourismus-Organisation als MySwitzerland auftritt. Schweiz Tourismus ist deshalb die Domäne MySwitzerland.com umgehend zu entziehen.

Artikel erschienen am 30.08.2013 im «Der Zürcher Bote»