Roland Scheck

Umerziehung

Roland Scheck
Der ideologische Kampf gegen den Motorisierten Individualverkehr stösst an seine Grenzen. Allein mit Verkehrsschikanen ist dem Autoverkehr nicht beizukommen, denn Autofahrer sind leidensfähig. Leidensfähiger als der rot-grüne Stadtrat erlaubt. Aus diesem Grund greift dieser jetzt noch tiefer in die sozialistische Trickkiste. Wenn Schikanen nichts mehr nützen, muss das Volk halt umerzogen werden. Dazu hat der Stadtrat zwei Programme mit den vielsagenden Bezeichnungen «Mobilitätskommunikation über einen neuen zielgruppenspezifischen Konzeptansatz» und «Reduktion von MIV-Kilometern» initiiert. Mit dem «neuen zielgruppenspezifischen Konzeptansatz» hat man unter anderem die Kinder im Fokus, denen Beat Schlatter das «Auto-Märli» erzählt. Aber auch die Erwachsenen sind eine zielgruppenspezifische Zielgruppe, die es zu erziehen gilt.

Im Rahmen des Programms «Reduktion von MIV-Kilometern» wird zur Zeit eine Befragung in den Quartieren Alt-Wiedikon und Friesenberg durchgeführt. Dazu werden der Quartierbevölkerung sogenannte Mobilitätsmappen in drei unterschiedlichen Versionen verteilt. Die erste Mappe ist eine reine Informationsmappe mit neutralen Informationen zu verschiedenen Mobilitätsangeboten. Die zweite Mappe ist die sogenannte Persuasionsmappe, also eine Überzeugungsmappe. Die Botschaft der Persuasionsmappe lautet: Viele machen bereits etwas; jedoch muss jede und jeder einen Beitrag leisten, damit das Ziel einer stadtverträglichen Mobilität erreicht wird. Was stadtverträgliche Mobilität heisst, definiert selbstverständlich der rot-grüne Stadtrat. Die dritte Mappe nennt sich AON-Mappe. Unter AON ist «Alle-oder-Niemand-Vertrag» zu verstehen. Mit dem AON verpflichtet sich eine Person, das vorgegebene MIV-Kilometer-Reduktionsziel zu verfolgen, das heisst, 10 Prozent der MIV-Kilometer einzusparen, wenn sich eine gewisse Anzahl weiterer Personen ebenfalls dazu verpflichtet. Die Vertragsdauer umfasst sechs Monate. Laut Stadtrat übernehmen die Teilnehmenden mit der AON-Mappe mehr Verantwortung, indem sie ihr Mobilitätsverhalten seiner Vision «Stadtverkehr 2025» anpassen.

Der Stadtrat gibt unumwunden zu, dass er mit den Programmen das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung verändern will. Insbesondere soll der Versuch in Wiedikon Rückschluss geben, wie gezielte Einflussnahme das Mobilitätsverhalten beeinflussen kann. Gezielte Einflussnahme! Die rot-grüne Regierung bereitet also eine Aktion vor, mit der die Bevölkerung von Zürich nach den Vorstellungen des Stadtrats umerzogen werden soll. Schliesslich hat der Stadtrat eine Vision, wie das Volk zu leben hat.

Nach der Schikane die Umerziehung. Und niemand möchte wissen, wie der nächste Schritt aussieht. 

Artikel erschienen am 26.09.2014 im «Der Zürcher Bote»