Roland Scheck

NEIN zur Autobahnüberdeckung Katzensee

Roland Scheck
Von 2012 bis 2016 wird die Nordumfahrung Zürich zwischen dem Limmattaler Kreuz und dem Dreieck Zürich Nord von vier auf sechs Fahrspuren ausgebaut. Im Ausführungsprojekt ist aufgrund einer Forderung der Stadt Zürich vorgesehen, die Autobahn im Bereich Katzensee zu überdecken. Diese Autobahnüberdeckung ist 580 Meter lang und erstreckt sich zwischen den heute bestehenden Überführungen Katzenseestrasse und Horensteinstrasse.

Eine Autobahnüberdeckung geht weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzmassnahmen, die durch den Bund zu finanzieren sind, hinaus. Die Stadt Zürich hat die Überdeckung beim Katzensee mit viel politischem Druck, welcher gar in einer Einsprache gipfelte, durchgesetzt. Dabei scheint den Stadtrat nicht zu beeindrucken, dass diese Überdeckung 130 Millionen Franken Mehrkosten im Autobahnprojekt verursacht. Denn die Finanzierung obliegt massgeblich dem Bund und dem Kanton Zürich. Von diesen 130 Millionen Franken steuert der Bund 65% bei, der Kanton Zürich 20% und die Stadt Zürich 15%. Der Anteil der Stadt beläuft sich somit auf 20 Millionen Franken und über diesen Beitrag stimmen die Stadtzürcher am 28. November 2010 ab.

Nochmals zu betonen ist, dass diese Kosten nur aufgrund der Tatsache entstehen, dass der Stadtrat unbedingt diese Autobahnüberdeckung Katzensee haben will. Ohne diese Intervention würden gar keine Mehrkosten entstehen, da Lärmschutzmassnahmen bei einem Autobahnprojekt automatisch im „Grundpaket“ mit enthalten sind. Diese Lärmschutzmassnahmen garantieren sowohl überland wie auch in überbautem Gebiet einen optimalen Immissionsschutz. Selbstverständlich würden diese Standards auch für den 580 Meter langen Abschnitt Katzensee genügen und garantierten den Anwohnern nach dem Ausbau auf sechs Fahrspuren weitaus weniger Immissionen, als dies im heutigen vierspurigen Zustand der Fall ist.

Gemessen am Durchschnitt der auftretenden Lärmimmissionen hat eine Überdeckung der Autobahn kaum Vorteile gegenüber einer offenen Führung mit Lärmschutzmassnahmen. Bei einer unterirdischen Führung der Autobahn staut und verstärkt sich der Schall im Bereich der Tunnelportale, womit Anwohner im Umfeld der Portale weitaus höheren Immissionen ausgesetzt sind, als bei einer offenen lärmgeschützten Bauweise. Nur diejenigen Anwohner, die in der Mitte der Überdeckung leben, haben vorausgesetzt günstiger Windverhältnisse weniger Lärmeinflüsse. Bauphysikalisch ist also leicht nachzuvollziehen, dass eine Autobahnüberdeckung, je kürzer sie ist, umso weniger als Lärmschutzmassnahme geeignet ist. Und die Autobahnüberdeckung Katzensee ist mit einer Länge von 580 Metern sehr kurz.

Eine «grüne Brücke» für Zürich
Der Stadtrat pocht jedoch stur auf die Variante Überdeckung. Unlauter ist, dass der Stadtrat diese Überdeckung offiziell und auch nach aussen stets als Lärmschutzmassnahme deklariert. Innerhalb der Verwaltung wird diese Überdeckung hingegen als «grüne Brücke» bezeichnet. Der Schluss liegt also nahe, dass die rot-grünen Ideologen im Stadtrat mit der horrenden Summe von 130 Millionen Franken einmal mehr das planetarische Ökosystem retten wollen. Mit dem Ausdruck «grüne Brücke» entlarvt sich der Stadtrat selbst. Die Autobahnüberdeckung Katzensee ist in Tat und Wahrheit kein Lärmschutzprojekt, sondern ein Ökoprojekt, das dem ASTRA mit politischem Druck aufgeschnallt beziehungsweise ins finanzielle Körbchen gelegt worden ist.

Auch in der Kommission des Gemeinderates betonte Stadträtin Genner klar, dass die Überdeckung nicht als Lärmschutzmassnahme begründet sei, sondern es andere Gründe dafür gäbe. Und diese 'anderen Gründe' sind dunkelgrün, denn die wahre Intention der Tiefbauvorsteherin ist nämlich, diesen Autobahndeckel mit üppiger Fauna und Flora auszustatten. Die Experten der Grün Stadt Zürich verfassen bereits heute ausgedehnte Projektstudien über die Ansiedlung von Igeln, Füchsen, Tagfaltern und Käfern auf dieser Autobahnüberdeckung. Das Ziel ist die Realisierung einer Moorlandschaft, ergänzt durch Gehölzpflanzungen und Magerwiesen.

Beschäftigungsprogramm für Grün Stadt Zürich
Mit der «grünen Brücke» beabsichtigt der Stadtrat ein Tummelfeld für die Grün Stadt Zürich aufzutun. Unverständlicherweise hat die SVP als einzige Fraktion im Gemeinderat die wahren Absichten des Stadtrats durchschaut. Den Mitteparteien sei an dieser Stelle empfohlen, sich inskünftig etwas substanzieller mit Gemeinderatsgeschäften zu befassen. Es geht bei dieser Autobahnüberdeckung weder um Lärmschutz noch um das Wohl der Anwohner. Die «grüne Brücke» ist ein Ökoprojekt, mit dem der Grün Stadt Zürich ein aus der Bundeskasse finanziertes 130-Millionen Beschäftigungsprogramm zugeschanzt wird.

Artikel erschienen am 13.11.2010 im «Der Zürcher Bote»